Eigentum vs. Marktwirtschaft

Ein sehr lesenswerter Artikel findet sich heute bei FR-online. Die Autoren nehmen sich der fatalen Dynamik der Märkte an, die durch neoliberale Ideologien und Strategien geprägt sind. Besonders das Auseinanderdriften von Produktivitätszuwachs und Produktionszuwachs führt zu volkswirtschaftlich unerwünschten Effekten, wie ich neulich bereits schilderte.
Es kommt noch ein Aspekt hinzu, der selbst Neoliberalen aufgehen dürfte und nur von den verbohrtesten Ideologen geleugnet werden kann: Ein Übermaß an Aneignung schadet der Marktdynamik. Werden Konzerne oder Personen also aufgrund ungeregelter Eigentumszuwächse zu mächtig, wird Konkurrenz als tragende Säule der Wirtschaft außer Kraft gesetzt. Gegen Monopolbildung gibt es (schwache) Gesetze, die Aneignung selbst darf weiterhin ungebremst stattfinden. Daraus folgt, daß Entscheidungen häufig nicht mehr an Rationalität gebunden sind und die ohnehin in den Konzernhierarchien angelegten autokratischen Strukturen noch durch das Treiben einzelner Marktdespoten überboten werden. Eine Kontrolle wirtschaftlichen Handelns findet so nicht mehr statt, weder personell noch strukturell. Während nun neoliberale Demagogen bei jeder Besteuerung von „Enteignung“ sprechen und das Abendland untergehen sehen, entgeht ihnen vollkommen die Gefahr ungeregelter Aneignung. Letztere ist die aktuelle Gefahr, und man kann eben nicht alles dem Markt selbst überlassen. Überlegungen, die zu mehr Kontrolle über die Märkte führen sollen, sind also sehr im Sinne des Funktionierens der Marktwirtschaft und keineswegs zwangsläufig bürokratische Schikane.

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