Web 2.0 und Existenzialismus

Meine nicht eben oberflächlichen Kenntnisse der Philosophie des 20. Jahrhunderts haben mir nie eröffnet, was „Existenzialismus“ wohl sein mag. Für manche ist er irgendwie ein bißchen ontologisch, ein guter Schuß Heidegger, französich adaptiert, aber noch keine Postmoderne. Für manche andere vielleicht das Gefühl, in die Welt geworfen zu sein, ohne den Anspruch, daraus bedeutend mehr zu machen – man verwindet die Seinsgeschicke eben mehr oder weniger unbeteiligt. Vor allem aber war Existenzialismus ein -ismus mit schwarzen Rollkragenpullovern, Gauloises rauchen und Filme gucken, die keinen Spaß machen. Es gab einige Gallionsfiguren, deren Werke man erwähnen mußte (lesen war nicht nötig), und schon gehörte man dazu.
Heute ist die Welt nicht mehr so kompliziert, niemand muß mehr so tun, als könnte er/sie Bücher lesen. Dafür aber Internet. Internet muß. Klar: Web zwei null-mäßig! Zum Gefasel der Dazugehörenden gibt es auch das passende „Design“. Irgendwer hat sich ausgedacht, daß zum webzweinullmäßigen Dazugehören das Hingucken vereinfacht werden muß. Poppige Farben, Verlauf, pseudospiegelnder Schriftuntergrund, abgerundete Ecken und Lichteffekte, die Einäugigen ein echtes 3D-Feeling verschaffen. Layouts, die dem Rezipienten nicht zumuten, die Augen bewußt oder klassich lesend zu bewegen, sondern Anordnungen, die Screen-to-Brain ohne den lästigen Umweg über die Großhirnrinde ermöglichen. Wer sich fragt, wozu diese Verödung der Landschaft gut sein soll, ist schon raus und sollte es vielleicht einmal mit schwarzen Rollkragenpullovern versuchen. Und wer die Stirn hat, ein Blog ins Netz zu stellen, das Web-2.0-Design-mäßig voll daneben liegt, ist heute schon von gestern.

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